[IPK] Karikaturen: Offener Brief der Enhedslisten an den dän. Ministerpräsidenten

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Die Feb 7 23:24:51 CET 2006


Karikaturenstreit:

Offener Brief an den Ministerpräsidenten:
Die Lösung liegt in Dänemark
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Kopenhagen, 30. Januar 2006

Lieber Ministerpräsident,

es gibt guten Grund, über den Zorn, den viele Moslems gegenüber Dänemark
zeigen, beunruhigt zu sein, und wir meinen, dass es notwenig ist, einige
Initiativen zu ergreifen, die darüber hinausgehen, nur die dänische
Politik über diplomatische Kontakte zu erklären.

Wir sind völlig einig in der Kritik, dass Sie in dieser Sache nicht
genug unternommen haben. Sie hätten sich klar zu den Zeichnungen der
/Jyllandsposten/ äußern können. Sie hat selbstverständlich das Recht,
ihre Meinungsfreiheit auszuüben, aber genauso klar ist es Ihr und
anderer Recht, zu den Zeichnungen seine Meinung zu sagen. Und es wäre
sehr nützlich gewesen, wenn Sie klar Respekt für die moslemische Kultur
signalisiert und deren Recht auf ihre Religion anerkannt hätten -- und
dass sie Moslems als Teil der dänischen Bevölkerung wie alle anderen
Teile der Bevölkerung respektieren. Und anerkannt hätten, dass Ihnen
klar ist, dass es in der dänischen Debatte viele Beispiele der
Herabwürdigung von Moslems gibt.

Die Realität ist, dass sich viele Moslems in Dänemark und draußen in der
Welt gekränkt fühlen, und in dem Zusammenhang sind die Zeichnungen der
/Jyllandsposten/ nicht die einzige Ursache. Es hat sich in Dänemark ein
ganz schlimmes Diskussionsklima entwickelt, angeführt von der Dänischen
Volkspartei. Die Politik der Regierung mit ihren ewigen Verschärfungen
der Ausländerpolitik ist Grundlage, dass viele sich mit gutem Recht
getreten fühlen. Aus diesem Grund hat Dänemark im Ausland der Ruf eines
Landes, das intolerant und feindlich gegenüber Fremden ist. Doch mit
dieser Situation kann die Regierung etwas tun. Die Regierung kann ein
klares Signal geben, dass die Entwicklung, dies es in den letzten Jahren
in Dänemark gab, umgedreht werden soll. Dass die Regierung aktiv
Tendenzen entgegenwirken will, die in Dänemark Teile der Bevölkerung und
bestimmte Religionen dämonisieren.

Wir fordern Sie auf, eine Versöhnungskonferenz einzuberufen, auf der die
Ursachen behandelt werden, warum sich viele Moslems aufgrund ihrer
Religion gekränkt und herabgewürdigt fühlen. Wir meinen, dass Sie
deutlich machen müssen, dass sie Licht auf die Ursachen dafür wollen,
dass es soweit gekommen ist. Und dass sie bereit sind zu überlegen, die
Politik der Regierung zu ändern, um zu vermeiden, dass die Widersprüche
nur immer weiter wachsen und wachsen.

Wir fordern Sie auf, einen breiten Querschnitt der moslemischen
Bevölkerung und Vertreter anderer Minderheiten einzuladen, auch
nicht-religiöse Gruppen zusammen mit der Regierung und den Parteien des
Folketings, um die Situation zu erörtern und zu diskutieren, was getan
werden kann.

Eine solche Initiative wäre ein gutes Signal an die moslemische
Bevölkerung, die sich gekränkt fühlt. Wir sind überzeugt, dass dies eine
höhere Durchschlagskraft habe wird als 100 Gespräche mit Diplomaten aus
Ländern, deren Regierungen in vielen Fällen kaum die eigene Bevölkerung
repräsentieren. Über einen Beitrag zur Lösung der aktuellen Krise hinaus
kann eine solche Konferenz auch dazu beitragen, eine Entwicklung in
Dänemark zu verhindern, die mit der Zeit zu Explosionen führen kann, wie
wir sie in Paris erlebt haben.

Wir sind natürlich bereit, unseren Vorschlag weiter zu vertiefen.

Mit freundlichem Gruß

Für die Folketingsgruppe der Enhedslisten

Frank Aaen


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Aus: http:// www.enhedslisten.dk/nyhed.asp?nyhed=9336


Übers.: Björn Mertens

Enhedslisten[http://inprekorr.de/http://www.enhedslisten.dk/nyhed.asp?ny
hed=7582] (Einheitsliste) ist ein Zusammenschluss dreier
linkssozialistischer Parteien in Dänemark. Mit 3,4% bei den letzten
Wahlen stellt sie sechs Abgeordnete im Folketing (Parlament).



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