[IPK] USA: Hintergründe der Gewerkschaftsspaltung
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Sam Feb 25 01:22:47 CET 2006
USA:
Hinter der Spaltung
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Von Chris Kutalik
Hinter dem Kampf der Personen und großen Gedanken im Duell zwischen
AFL-CIO- und CTW-Führungen zeichnet sich eine Geschichte ab, die die
Spaltung mindestens ebenso als Machtkampf erscheinen lässt, wie als
Kampf zwischen politischen Positionen. Schlüssel zur Spaltung waren
Beitragsrabatte und die Frage der Nachfolge des Vorsitzenden. In einer
internen Notiz für die AFL-CIO-Mitarbeiter bringt Robert Welsh,
Vorstandsassistent des AFL-CIO-Vorsitzenden John Sweeney, Licht in die
Hinterzimmergespräche vor der Spaltung. Während Welsh politische
Absichten gehabt haben mag, die Notiz zu verbreiten, ermöglicht sie doch
einen Einblick in die Spitzengespräche vor der Spaltung.
Welsh schrieb, dass es "wenig oder keine Differenzen in den endgültigen
Positionen" zwischen AFL-CIO- und CTW-Führern gab, abgesehen von zwei
strittigen Punkten. Der erste war, dass Teamster-Chef James Hoffa darauf
bestand, dass die Pro-Kopf-Beiträge seiner Organisation an den AFL-CIO
um nicht weniger als die Hälfte gekürzt werden sollten.
NEUER VORSITZENDER
Der zweite war die Frage des Nachfolgers für Sweeney. Viele glauben,
dass Sweeney, der 71 ist, die ganze Amtszeit, für die er gerade gewählt
worden ist, nicht ausfüllen wird und dass der eigentliche Kampf um seine
Nachfolge geht.
Laut Joe Szczesny, der für die /Daily Oakland Press/ über
Gewerkschaftsfragen schreibt, waren die CTW-Führer bereit, Sweeneys
Wiederwahl auf dem Gewerkschaftstag zu unterstützen, doch verweigerten
sie ihre Zustimmung, seinen Nachfolger vom AFL-CIO-Exekutivausschuss
ernennen zu lassen. Die CTW-Führer sahen darin ein Manöver um
sicherzustellen, dass Richard Trumka, der derzeitige Schatzmeister des
AFL-CIO, der nächste Vorsitzende wird. Die CTW sprach sich für
gewichtete Stimmen aus, die größeren Gewerkschaften einen größeren
Einfluss geben würden.
BASIS NICHT GEFRAGT
Gewerkschaftsmitglieder beider Seiten haben die Frage aufgeworfen, wie
die Spitzenfunktionäre die Entscheidungsprozesse bei der Spaltung
gesteuert haben. In viele der wichtigsten Entscheidungen waren die
Mitglieder wenig oder gar nicht einbezogen.
"Irgendetwas musste passieren, um diese so genannte Arbeiterbewegung
aufzurütteln", sagt Scott Schroeder, Basismitglied der Ortsgruppe 588
der Lebensmittel- und Handelsgewerkschaft (United Food and Commercial
Workers) in Kalifornien. "Nicht einer der Delegierten kam in die
Geschäfte, um den Mitgliedern von ihrem Plan zu erzählen, den AFL-CIO zu
verlassen, kein Brief, nichts." "Die meisten Mitglieder hatten nicht die
leiseste Ahnung, was da im Gange war, bis der Brief von [dem
Ortsgruppenvorsitzenden] Jacques Loveall kam."
In ihrem Newsletter /Teamster Leader/ schrieben die
Teamster-Funktionäre, die Entscheidung, aus dem AFL-CIO auszutreten, sei
"eine Frage von Prinzipien und Ergebnis einer langen und gründlichen
Diskussion" gewesen. Reformer fragen scharf, wie lang und gründlich
dieser Prozess wohl wirklich war.
LANGE DISKUSSION?
Tatsächlich notierten die Spitzenfunktionäre selbst, dass sich der
geschäftsführende Vorstand der Teamster um 11 Uhr traf, um Hoffas
Austrittsantrag anzunehmen. Um 11:45 kündigte Hoffa den Austritt
gegenüber den Teamster-Delegierten an und um 13 Uhr war er schon auf der
CTW-Pressekonferenz, wo die Spaltung bekannt gegeben wurde.
Sandy Pope, Vorsitzender der Teamster-Ortsgruppe 605 in Long Island, New
York, verbreitete einen offenen Brief, in dem er den Vorstand
aufforderte, seine Entscheidung zurückzunehmen, bis eine "breitere"
Diskussion stattgefunden hat. Pope schrieb: "Der AFL-CIO ist nicht
einfach eine nationale Körperschaft: Viele [Teamster-] Orts- und
Bezirksgruppen haben sich örtlichen oder bundesstaatlichen
Gewerkschaftsausschüssen angeschlossen. Jede Veränderung, die diese
Zusammenarbeitsstrukturen, die zur Organisierung von
Streikunterstützung, für koordinierte Tarifverhandlungen und für
politische Aktionen erforderlich sind, gefährden könnte, verdient die
Erörterung durch einen breiten Kreis örtlicher Funktionäre und
betroffener Mitglieder.
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Aus: Inprekorr Nr. 410/411 (Internationale Pressekorrespondenz)
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