[IPK] Ökologie: Klimaschutz und Antikapitalismus
Inprekorr
inprekorr at comlink.org
Mi Sep 5 23:33:41 CEST 2007
Ökologie:
Klimaschutz und Antikapitalismus
-------------------------------------------------------------------
Die Auswirkungen des Films von Al Gore, das Interesse am Stern-Report, das
Echo auf die Berichte des UN-Klimarats (Intergovernmental Panel on Climate
Change --IPCC) und der wachsende Erfolg der Demonstrationen der Climate
Action Campaign zeigen das wachsende öffentliche Interesse an den Fragen des
Klimawandels. Die Linke, die auf diesem Gebiet immer noch viel zu wenig
aktiv ist, sollte sich an der Bewegung beteiligen, für die die Rettung des
Klimas -- im Geiste sozialer Gerechtigkeit -- Vorrang vor den Profiten haben
muss und eine signifikante Umverteilung des Reichtums erfordert. Eine solche
Bewegung ist unerlässlich. Die Einbeziehung der Arbeiterbewegung ist eins
der strategischen Ziele, denen die Linke besondere Aufmerksamkeit schenken
sollte.
Von Daniel Tanuro
Die Menge des von der Weltökonomie jährlich ausgestoßenen Kohlendioxids
beträgt ungefähr das Doppelte dessen, was die Ökosysteme (Meere, Boden,
Vegetation) aufnehmen können. Der Überschuss sammelt sich in der Atmosphäre,
verstärkt den natürlichen Treibhauseffekts und verursacht damit eine
Erwärmung der Oberfläche des Planeten. Das Phänomen begann mit der
industriellen Revolution und dem Aufstieg des Kapitalismus. Hauptursachen
sind die Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Öl, Erdgas) und die
Veränderungen in der Bodennutzung (Abholzungen, Pflugbearbeitung und so
weiter). Die erste dieser Ursachen ist mit der Explosion der Zahl der PKWs
seit den 50-er Jahren die wichtigste geworden. Mehr als 75% der historischen
Verantwortung für den Klimawandel liegt bei den entwickelten Ländern, aber
die Emissionen der Entwicklungsländer steigen rapid (vor allem in den
größeren Ländern wie Indien, China, Brasilien) (siehe Abb. 1). Spezialisten
zufolge sollten wir den Anstieg der Temperatur der Erdoberfläche verglichen
mit der vorindustriellen Zeit auf 2°C begrenzen [1], da es sonst zu ernsten
Folgen für die Ökosysteme und die Menschheit (vor allem die Länder des
Südens und die Armen allgemein, so das IPCC [2]).
Um das volle Ausmaß der Aufgabe zu verstehen, sollte uns klar sein, dass
diese Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2°C derzeit nicht mehr durch
Aktivitäten der entwickelten Länder alleine erreicht werden kann: Selbst im
hypothetischen Fall, dass sie ihre gesamten Emissionen augenblicklich auf
Null bringen, die Entwicklungsländer aber keine Maßnahmen ergreifen würden,
könnte der Anstieg trotzdem 4° bis 5°C in einem Jahrhundert erreichen, eine
Temperaturdifferenz die dem Abstand unserer Epoche von der letzten Eiszeit
entspricht. In einer gigantischen Umkehr des kapitalistischen "Fortschritts"
droht die menschliche Rasse in eine Situation zu kommen, die sie nie zuvor
gesehen hat und deren Konsequenzen man zumindest als ungeheuerlich
bezeichnen müsste.
PHYSIKALISCHE GRENZEN UND SOZIALE GESETZE
Mehr als 20 Jahre wurden die Warnungen überhört. Heute ist es zu spät, um
den Klimawandel zu verhindern: Er hat bereits begonnen, und seine
Auswirkungen werden noch auf Jahrhunderte hinaus zu spüren sein. Die Frage
lautet lediglich: Wie kann man den Schaden begrenzen? Eine Antwort ist nur
im Rahmen unabänderlicher physikalischer Gesetzmäßigkeiten möglich.
Klimamodelle zeigen, dass der einem Temperaturanstieg von 2°C entsprechende
Anteil von Treibhausgasen in der Atmosphäre etwa 450 bis 500 "Millionstel
Volumenteilen CO2-Äquivalenten -- ppmv CO2eq" [3] betragen würde. Die obere
Grenze wäre etwa das Doppelte der Konzentration vor 1780.
Die heutige Konzentration aller Gase zusammengerechnet bringt uns mit
465 ppmv CO2eq (davon 370 ppmv für CO2 alleine) bereits in die Gefahrenzone.
Und der Anstieg scheint sogar noch dramatisch zuzunehmen. [4] Um die
Temperatur des Globus wieder zu stabilisieren, muss der Anteil der
betreffenden Gase in der Atmosphäre so schnell wie möglich stabilisiert
werden. Angesichts ihrer Lebensdauer und insbesondere der thermischen
Trägheit der Ozeane [5] wird es nicht ausreichen, die Emissionen nur zu
stabilisieren; sie müssen vielmehr reduziert werden, und zwar drastisch und
sehr schnell.
Die Abbildungen unten zeigen diesen Zusammenhang zwischen der zeitlichen
Entwicklung von Temperatur, Konzentration und Emission für eine
Stabilisierung nur des CO2-Gehalt bei 550 ppmv. Wegen des Vorsorgeprinzips
und bei Berücksichtigung aller Treibhausgase sollte als Ziel die
Stabilisation bei 450 ppmv CO2eq angestrebt werden, um Ungewissheiten des
Klimasystems zu berücksichtigen. Nach dem Stern-Report [6] erfordert dieses
Ziel, dass die Emissionen von derzeit 42 Gigatonnen weltweit pro Jahr in
zehn Jahren ihr Maximum erreichen und dann um mindestens 5% jährlich fallen
müssen, was bis 2050 eine Reduktion um 75% gegenüber 1990 bedeuten würde.
Eine Stabilisierung bei 550 ppmv (der oberen der beiden Grenzen) würde ein
Maximum in 20 Jahren und dann einen Rückgang von 1 bis 3 Prozent jährlich
erfordern -- es gäbe dann aber schon ein 50%-iges Risiko, die angestrebte
Grenze des Temperaturanstiegs von 2°C zu überschreiten. In jedem Fall müssen
die jährlichen Emissionen im Laufe des Jahrhunderts auf 5 Gigatonnen CO2eq,
also /auf/ ein Achtel, gesenkt werden.
Das bedeutendste Treibhausgas ist Kohlendioxid (CO2). Da dieses Gas
unvermeidliches Produkt jeder Verbrennung ist, lassen sich die Emissionen
nicht so leicht wie bei anderen Schadstoffen senken, die wie Schwefel aus
dem Rauch herausgefiltert werden können. [7] Ist es trotzdem möglich, solche
drakonischen physikalischen Grenzen einzuhalten, ohne die Menschheit um
Jahrhunderte zurückzuwerfen? Um Panikreaktionen, Vogel-Strauß-Reflexe und
andere Formen irrationalen Verhaltens (aus denen reaktionäre Kräfte nutzen
ziehen könnten) zu vermeiden, ist es extrem wichtig einzuhämmern, dass die
Antwort auf technisch-wissenschaftlicher Ebene lautet: Ja. Ja, der Kampf
gegen Energieverschwendung, für Steigerung der Energieeffizienz, für
Ersetzung fossiler Energiequellen durch erneuerbare Quellen sowie der Schutz
der Böden und der Wälder erlaubt es, die Herausforderung zu meistern.
Wegen der Wichtigkeit der Verbrennungsvorgänge steht die Energiefrage im
Mittelpunkt der Debatte. Tatsächlich beträgt der auf die Erdoberfläche
auftreffende Energiefluss der Sonne das 7000- bis 8000-fache des
Weltenergieverbrauchs -- und das noch für mindestens 5 Milliarden Jahre. Ein
Tausendstel dieses Energieflusses könnte mit der heutigen Technik in
nutzbare Energie umgewandelt werden. Dieses technische Potenzial wird mit
dem wissenschaftlichen Fortschritt (entsprechende Ressourcen vorausgesetzt)
noch zunehmen. Das bedeutet nicht, dass es keine Probleme gäbe, dass es
"genügen" würde, einfach alle fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Quellen
zu ersetzen. Mit einem kurzfristigen Übergang wären zahllose Schwierigkeiten
verbunden. Auf längere Sicht würde die Nutzung der Solarenergie, da sie eine
verteilte Energiequelle ist, einen hohen Grad von Dezentralisierung, also
sozialer Beteiligung und kollektiver Verantwortung erfordern.
------------ KASTEN -----------------------------------------------
*Abbildung 1: Historische Verantwortung der verschiedenen Ländergruppen für
den Klimawandel. Berechnung der zwischen 1870 und 2000 emittierten
Kohlenstoffvolumina nach Weltregionen.*
Von unten nach oben : Europa, Nordamerika, Ozeanien (inkl. Japan,
Australien, Neuseeland), Osteuropa, Mittel- und Südamerika,
"zentralgeplantes" Asien (inkl. China), Fernost (inkl. Indien und Südkorea),
Nahost und Afrika. Das aktuelle Emissionsvolumen liegt bei 8 Gigatonnen
Kohlenstoff (28,8 Gigatonnen CO2) pro Jahr. Quelle: Oakridge National
Laboratory
-------------------------------------------------------------------
Veränderungen sind vor allem beim individuellen Lebensstil der
wohlhabenderen Teile der Gesellschaft, vor allem in den entwickelten
Ländern, erforderlich, die ökologisch nicht tragfähige Technologien in einem
Ausmaß benutzen, das nicht auf die gesamte Menschheit verallgemeinert werden
kann. Aber diese erforderlichen Veränderungen sind nicht gleichbedeutend mit
einer "Regression" [einem historischen Rückschritt -- d.Üb.]. Wenn das Klima
in sozialer Gerechtigkeit gerettet wird, kann dies eine bessere
Lebensqualität für die breite Mehrheit der Bevölkerung bedeutet, sogar in
den "reichen Ländern".
Der beängstigende Charakter des Klimawandels beruht auf der Tatsache, dass
die bisher durchgeführten Maßnahmen viel zu kärglich sind. Warum das? Weil
solche Maßnahmen die Profitabilität des Kapitals verringern, profitable
Tätigkeiten unterbinden und die mit der Energiezentralisierung verbundene
Rente [8] und Macht bedrohen, Planung und öffentliche Initiative erfordern,
eine Verlagerung von Aktivitäten bedingen, die
Überproduktions-/Überkonsumtionsspirale der einen und Unterkonsumtion der
anderen durchbrechen und so weiter. Dies sind ökonomische Gründe, und damit
soziale. Sie beruhen nicht auf unausweichlichen Naturgesetzen, sondern auf
sozialen Gesetzen, die die Menschheit ändern kann.
Die Spezialliteratur charakterisiert den Klimawandel als "anthropischen"
Ursprungs [menschengemacht -- d.Üb.]. Dieser Ausdruck ist allerdings nicht
ganz korrekt. Die Erwärmung ist nicht die vergiftetet Frucht "menschlicher
Aktivität" im Allgemeinen oder der "Technologie" im Allgemeinen, sondern der
kapitalistischen Aktivität und kapitalistischen Technologie (die die
bürokratischen Regimes im früheren Sowjetblock im Westlichen nur
nachahmten). Sie ist Produkt "eines Systems, das immer mehr seinem Konzept
ähnelt", wie es Michel Husson so wunderbar ausgedrückt hat. [9]
Der Philosoph Hans Jonas benannte in seinem vielgerühmten "Prinzip
Verantwortung" als einer der ersten die Bedeutung der klimatischen Grenzen
für die Entwicklung menschlicher Gesellschaften. Doch verhallten seine im
Jahre 1979 geschriebenen Warnungen in diesem konkreten Punkt weitgehend
ungehört, obwohl seine Thesen im Allgemeinen großen Einfluss hatten. [10]
Aber seine Ideologie führte Jonas dazu, das Problem auf den Kopf zu stellen.
Statt den Treibhauseffekt als Folge des wahnsinnigen kapitalistischen
Wachstums zu sehen, meint er ein hochwissenschaftliches und unwiderlegbares
Argument gegen die "marxistische Utopie" gefunden zu haben. Das "Prinzip
Verantwortung" beschuldigt die "Utopie", sie wolle der "Technologie" alle
Fesseln lösen, was aus sich heraus die Umwelt zerstören würde. [11]
Entgegen dieser These betrachtet die marxistische Analyse den Klimawandel
als Ergebnis der Produktionsweise, die wegen ihres rein quantitativen Ziels,
der Akkumulation von Wert, nicht nachhaltig ist. Marx weist darauf schon zu
Beginn des /Kapital/ hin: Das ist das Charakeristikum des Werts als
historisch spezifischer Form des Vermögens, dass er die Illusion nährt, ein
Prozess unbeschränkter materieller Akkumulation sei möglich.
Konsequenterweise führt in dieser verallgemeinerten Warenproduktion die
"Produktion um der Produktion wegen" zur "Konsumtion um der Konsumtion
wegen". [12]
Die Energie-Bulimie ist eine spezifische Manifestierung dieser Dynamik, und
die Technologien, die sie zum Einsatz bringt, sind anders als Hans Jonas und
viele andere gesagt haben, nicht neutral: Sie wurden geschaffen, um die Gier
nach Mehrwert zu befriedigen. Der Griff zu fossilen Brennstoffen und
Nuklearenergie ist in diesem Zusammenhang beispielhaft. Ihre Verwendung ist
nicht Ergebnis eines technologischen Automatismus sondern eine Entscheidung
zugunsten von Energiequellen, die man sich aneignen kann, weil diese eine
Rente, das heißt einen Superprofit abwerfen.
Wenn der von Edmond Becquerel 1839 entdeckte photovoltaische Effekt (die
Erzeugung eines elektrischen Stroms in bestimmten Halbleitermaterialien beim
Auftreffen von Licht) nie Gegenstand systematischer Entwicklung war, dann
hauptsächlich, weil man sich Solarenergie nicht so einfach aneignen kann wie
Kohle oder Ölfelder. Heute, nach zweieinhalb Jahrhunderten eines auf fossile
Energiequellen gestützten Kapitalismus, ist deren Verwendung völlig
antagonistisch zur rationalen Regulierung des Materialaustauschs zwischen
Mensch und Natur (die Marx als "die einzig mögliche Freiheit" bezeichnet)
geworden.
Durch den Klimawandel scheint die Natur selbst uns klar machen zu wollen,
dass die zwingende Notwendigkeit dieser rationalen Regulierung ein
Hauptgrund zum Aufgeben dieser Produktionsweise geworden ist. Wir wollen
feststellen, dass die seit zwei Jahrhunderten beobachtete relative
Verringerung der Energie- und Kohlenstoffintensität der Ökonomie (d.h. die
zur Produktion einer Einheit des BSP erforderlichen Menge an Energie oder
Kohlenstoff) nichts an dieser Notwendigkeit ändert: Sie ist mehr als
ausgeglichen worden durch die absolute Ausweitung der Produktion. Das
dahinter stehende Gesetz ist wohlbekannt: Um den tendenziellen Fall der
Profitrate auszugleichen, muss der Kapitalismus ständig neue Regionen
erobern, neue Bedürfnisse schaffen, neue Märkte öffnen.
------------ KASTEN -----------------------------------------------
*Abbildung 2: Konstante CO2-Emissionen bedeuten keine konstante
CO2-Konzentration in der Atmosphäre.*
Beziehungen zwischen den zeitlichen Verläufen von Emission, Konzentration
und Temperatur. Die Stabilisierung der Emissionen auf heutigem Niveau
(horizontale Linie in der linken Grafik) führt zu einem weiteren Anstieg der
CO2-Konzentration bis auf 800 ppmv im Jahre 2300 (rote Linie in der
mittleren Grafik) und einem ungebremsten Temperaturanstieg um 3°C gegenüber
heute (rechte Grafik). Selbst die schnelle Reduktion der Emissionen nach
einer Spitze von 11 GtC/a erlaubt nur eine Stabilisierung der Konzentration
bei 550 ppmv (dem Doppelten des vorindustriellen Niveaus) und damit einen
Wendepunkt des Temperaturanstiegs (schwarze Linien).
-------------------------------------------------------------------
Der Wahnsinn des Wachstums wird, wenn man ihm freie Bahn lässt, das letzte
Barrel Öl und die letzte Tonne Kohle verfeuern. Zu hoffen, die Schädigung
der Umwelt könnte aufhören, wenn diese Ressourcen "erschöpft" sind, würde
sich als Fehler erweisen: Die kapitalistische Akkumulationsdynamik würde,
wenn sie gezwungen ist, auf fossile Energiequellen zu verzichten [13], ganze
Regionen der Welt in ökologische Wüsten verwandeln, um in gewaltigen
Monokulturen Biotreibstoffe zu produzieren oder wo immer möglich
Atomkraftwerke zu errichten. Das ITER-Projekt [14] stellt nur, wie Jean-Paul
Deleage et al. [15] es beschreiben, den letzten Avatar des Wahnsinns dar:
Ein System das völlig inkompatibel mit dem Funktionsrhythmus der Biosphäre
ist.
DREI MITEINANDER VERBUNDENE SCHWIERIGKEITEN
Kann der Kapitalismus trotz seiner Akkumulationslogik rechtzeitig die zu
einer Stabilisierung des Klimas erforderlichen physikalischen Grenzen soweit
respektieren, um eine menschliche und ökologische Katastrophe zu vermeiden?
Angesichts des bereits erreichten hohen Gehalts an Treibhausgasen und der
Trägheit des Klimasystems scheint dies leider sehr unwahrscheinlich wenn
nicht unmöglich. Die Katastrophe hat tatsächlich bereits begonnen, wie man
einer Reihe von offensichtlich miteinander verbundenen Ereignissen erkennen
kann. Angesichts der offensichtlichen Beschleunigung der Erwärmung ist die
Frage eher, ob das System in der Lage ist, den Schaden zu begrenzen und die
Lage zu stabilisieren -- und zu welchen sozialen Bedingungen. Um eine
konkrete Antwort darauf zu geben, müssen wir drei miteinander verbundene
Schwierigkeiten bewerten: Der Umfang der in sehr kurzer Zeit zu
bewältigenden Aufgaben, die Starrheit des Energiesystems und der Wettbewerb,
der sich im Verhältnis zwischen Staaten ausdrückt (vor allem die
Nord-Süd-Beziehungen).
Erste Schwierigkeit: das Zusammentreffen sehr starker Ziele mit sehr kurzen
Fristen. Der Umfang der in nur wenigen Jahrzehnten zu bewältigenden Aufgaben
ist atemberaubend: Es geht um die fast völlige Ablösung der
"Kohlenstoffwirtschaft". Das bedeutet eine Abwicklung aller fossilen
Energiequellen im Allgemeinen als auch von Öl als Rohstoff der
petrochemischen Industrie im Besonderen (siehe Kasten "Kohlenstofffreie
Wirtschaft und Energieeinsparung"). Erneuerbare Quellen können die Lücke
füllen, aber nicht unter allen Bedingungen. Nicht unter den Bedingungen
einer fortgesetzten Energie-Bulimie im Transportbereich oder einer
aufgeblähten Kunststoffproduktion beispielsweise.
Angesichts ihrer gegenüber den fossilen Energieträgern höheren Preise und
der Kürze der Zeit zur Umstellung wird der Übergang unter allen Umständen
mit einem deutlichen Rückgang der Primärnachfrage in den entwickelten
Ländern einhergehen (in der Größenordnung von 50%, und sogar noch mehr in
den Ländern mit höherem Energieverbrauch); also mit einem Kampf gegen die
Verschwendung und für eine Steigerung der Energieeffizienz. Doch dieser
Kampf gegen Verschwendungen und für Effizienzsteigerung betrifft nicht nur
einzelne Anlagen, Privatgeräte und persönliche Verhaltensänderungen, sondern
auch und vor allem das globale Energiesystem, das alles determiniert. Vom
Standpunkt der Vernunft aus müssten ganze Bereiche der Wirtschaft schlicht
und einfach stillgelegt werden, weil sie nutzlos oder sogar schädlich sind
(Waffenproduktion, Werbung usw.), während andere rationeller gestaltet
werden könnten, um Dopplungen durch den Wettbewerb zu vermeiden. Der
Kapitalismus kann dies nicht einmal in Betracht ziehen, weil es seiner Logik
völlig zuwider laufen würde. Aber er kann trotzdem der Tatsache nicht
entgehen, dass beträchtliche Änderungen auf verschiedenen Gebieten wie
Raumordnung, Transport, Landwirtschaft, Unterkunft, Freizeit und Tourismus
erforderlich sein werden. All diese Veränderungen in der erforderlichen Zeit
vorzunehmen, würde eine starke Zentralisierung und demokratische
Ausarbeitung eines gut durchdachten Plans erfordern. All diese Elemente sind
kaum vereinbar mit dem neoliberalen Management einer hektischen
Produktionsweise, in der Konkurrenz der Motor und politische Ausgrenzung der
Bevölkerung ihre Folge ist.
Zweite Schwierigkeit: Das kapitalistische Energiesystem ist von großer
Starrheit und starker Zentralisierung geprägt. Sie sind nicht nur Folge der
Lebensdauer der Investitionen (30--40 Jahre für ein Elektrizitätswerk),
sondern auch und vor allem der Tatsache, dass eine mächtige Lobby an der
Gans hängt, die goldene Eier legt, ... und ständig neue Bedürfnisse erzeugt,
die die Tatsache "rechtfertigen", dass die Gans in der Batterie bleiben
muss, um noch mehr zu legen. Der weltweite Umsatz mit Raffinerieprodukten
der Ölindustrie wird auf 2000 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt; die Summe
aller Kosten, von der Lagerstättensuche über die Förderung bis zur
Raffinierung, wird auf 500 Milliarden geschätzt. Die Differenz dieser beiden
Zahlen (immerhin 1500 Milliarden Euro pro Jahr!) bildet den Profit, und vor
allem den Superprofit in Form einer Rente aufgrund der privaten Aneignung
der Ressourcen. [16]
Zu dieser kolossalen Macht muss jene der mit Öl verbundenen Bereiche addiert
werden: Autos, Chemie, Petrochemie, Luftfahrt, Schiffbau usw.: All diese
Branchen basieren auf einer ständigen Expansion des Weltmarkts und damit des
materiellen Verbrauchs und Handels. Unter diesen Umständen könnten -- auch
schnelle -- Investitionen in Wind- und Sonnenergie (wo die
Renditeentwicklung noch gar nicht absehbar ist) die Umsetzung einer Lösung
nur hinauszögern. Der weitgehend von Großkonzernen wie Shell, BP usw.
kontrollierte Sektor der erneuerbaren Energien könnte die fossilen
Brennstoffe nur ergänzen, statt sie zu ersetzen. Zusammen mit der des
PKW-Verkehrs zeigt die Explosion des Lufttransports und der sich daraus
ergebenden Verbrauchsgewohnheiten aufs Beste die Art, wie sich diese
Zauberlehrling-Logik gegen die Bedürfnisse legitimiert, die sie schafft, und
uns immer schneller gegen die Wand laufen lässt, während wir die Augen vor
der Realität verschließen.
Dritte Schwierigkeit: die Konkurrenz, die sich in den Beziehungen zwischen
den Staaten ausdrückt. Das CO2, das an irgendeinem Punkt der Erde produziert
wird, trägt zur Erwärmung des Planeten bei. Angesichts des globalen
Charakters dieser Bedrohung sollte auch die Antwort auf Weltebene gedacht,
geplant und formuliert werden und dabei die langfristige Zusammenarbeit im
Interesse aller im Mittelpunkt stehen. Ziel dieser Bemühungen muss es vor
allem sein, eine gemeinsame Antwort auf die Kernfrage zu formulieren: Wie
kann man die Ressourcen teilen, um sowohl den drastischen und schnellen
Rückgang der Emissionen im Weltmaßstab als auch das Recht auf Entwicklung
für die Länder des Südens, in denen allergrößte Mehrheit der Menschen lebt,
zu ermöglichen? Trotz aller Bemühungen zahlloser Wissenschaftler haben
Beherrschung und Wettbewerb immer noch Vorrang vor Zusammenarbeit und das
Aneignen von Ressourcen (auch mit militärischen Mitteln) vor dem gerechten
Teilen.
Die Haltung der wichtigsten imperialistischen Protagonisten (USA,
Europäische Union, Japan) bei den Klimaverhandlungen ist deutlich bestimmt
von den Interessen ihrer Unternehmen und den geostrategischen Interessen der
verschiedenen Bourgeoisien auf dem Weltmarkt, vor allem dem Energiemarkt.
Dasselbe gilt für Russland, für jeden EU-Mitgliedsstaat einzeln und für die
großen Entwicklungsländer (ganz zu schweigen von den Ölmonarchien). Die
grenzenlosen Schwierigkeiten, die Langsamkeit und die Rückschläge der
Klimaverhandlungen sind daher Ausdruck dieses unter dem Kapitalismus
unauflösbaren Widerspruchs zwischen dem zunehmend globalisierten Charakter
der Ökonomie und dem Fortbestehen rivalisierender Staaten (oder
Staatengruppen), die alle nur der Verteidigung der Interessen ihrer
Bourgeoisie verpflichtet sind, von denen einige die anderen beherrschen.
Dieser Wirrwarr, in dem das Schicksal der Opfer des Klimawandels keine Rolle
spielt, könnte irreversible Konsequenzen haben. Beispielsweise wenn der
Interessenkonflikt zwischen den imperialistischen Mächten und den
herrschenden Klassen der großen Entwicklungsländer zu einer langfristigen
Blockade der Verhandlungen über ein Kyoto-Folgeabkommen führt. Oder wenn,
entgegen aller Erwartungen, die künftige US-Regierung an der Bush-Linie noch
jahrelang festhalten würde.
VON KYOTO NACH NAIROBI UND DARÜBER HINAUS: DIE KAPITALISTISCHE ANTWORT
Aua all dem sollte nun aber nicht gefolgert werden, der kapitalistische
Moloch werde einem Phänomen tatenlos zusehen, das, selbst wenn es in erster
Linie die Ausgebeuteten betrifft, doch auch die Gefahr einer massiven
Kapitalentwertung und wachsender Instabilität beinhaltet. Aber sein Kampf
gegen den Klimawandel wird, seit vierzehn Jahren, [17] nach dem vom Kapital
diktierten Rhythmus geführt, also zu langsam, und nach den Regeln des
Neoliberalismus, was die sozialen Ungleichheiten, die Nord-Süd-Spannungen
wie auch die Aneignung und Vergeudung von Naturressourcen steigert.
Langsamkeit und perverse Effekte: Trotz einiger positiver Züge verkörpert
Kyoto beide Charakteristika (siehe Kasten über den Vertrag von Kyoto). So
ist nicht nur das Emissionsminderungsziel von 5,2% für die entwickelten
Länder sehr bescheiden und erst bis zum Jahre 2012 zu erfüllen, sondern das
Protokoll enthält auch "flexiblen Mechanismen", die negative soziale und
ökologische Konsequenzen haben werden. Die Verhandlungen über die Zeit nach
2012 scheinen daran nichts ändern zu werden. Wenn George W. Bush das Weiße
Haus geräumt hat, werden die USA und die EU wahrscheinlich schnell einen
Kompromiss finden. Dies entspricht den immer drängenderen Forderungen
zahlloser multinationaler Konzerne, die im Bewusstsein der Unvermeidlichkeit
von Maßnahmen so schnell wie möglich ein einheitliches und stabiles
Regelwerk auf Weltebene wollen. Aber diese Wiederannäherung der
Klima-Erbfeinde könnte gut den neoliberalen Charakter des Kyoto-Protokolls
verstärken, seine begrenzten Regulationskräfte (Quoten, Fristen, Sanktionen
bei Nichteinhaltung) schwächen und die anderen positiven Aspekte gefährden.
Diese Tendenz ist deutlich erkennbar in der intensiven diplomatischen
Aktivität von Tony Blair und seinem designierten Nachfolger, Gordon Brown.
Auf dem von ihm geleiteten G8-Gipfel ließ der Bewohner von Downing Street 10
seine Ambitionen erkennbar werden: Großbritannien zum Dreh- und Angelpunkt
eines neuen Klimaabkommens zu machen, was die Position seines Landes als
Kandidat für die Führung einer vergrößerten Europäischen Union stärken
würde. [18]
Der am 31.10.2006, unmittelbar vor der UN-Klimakonferenz in Nairobi (Kenia),
veröffentlichte Stern-Report über die Ökonomie des Klimawandels, kann in
diesem Zusammenhang gesehen werden. [19] Das Besondere an diesem Report ist,
dass zum ersten Mal ein von einer Regierung eingesetztes Team von Ökonomen
die Warnungen der Wissenschaft ernst nimmt und versucht, eine globale
Antwort zu geben. Sir Nicholas Stern kommt zweifellos das Verdienst zu, den
Klimawandel mit einer schockierenden Zahl auf die Titelseiten der Medien
gebracht zu haben: Wenn nichts passiert, könnten die Folgen die Erwärmung so
schlimm sein wie zwei Welkriege und die große Weltwirtschaftskrise zusammen,
entsprechend einem Fall des BSP von bis zu 20%. "Es ist besser, sofort zu
handeln und gemeinsam mit allen, das käme weniger teuer und würde den
Unternehmen mehr Absatzmöglichkeiten öffnen." -- das ist die Logik seines
Berichts. Aber unter dem Deckmantel einer ehrgeizigen, langfristigen
Strategie tendiert Stern dazu, die positiven Aspekte von Kyoto zugunsten
einer 100% neoliberalen Politik (siehe den Artikel über das Abkommen von
Kyoto) auszuhöhlen. Paradoxerweise charakterisiert er zwar den Klimawandel
als das "größte und breiteste Marktversagen aller Zeiten", doch lässt die
von ihm selbst vorgeschlagene Lösung in der abgedroschenen Formel
zusammenfassen: mehr Markt, mehr Wachstum, mehr Kernenergie, mehr
Handelsliberalisierung, weniger soziale Sicherung und Demokratie -- kurz:
noch mehr von dieser Politik, die die Umwelt zerstört und für die die Länder
des Südens, die Armen und die Arbeiterinnen und Arbeiter die Kosten zahlen.
Die Nord-Süd-Frage ist entscheidend, wie wir gesehen haben. Indem er sich
von dem engen Rahmen des Kyoto-Zeitplans löst, entgeht der Stern-Report dem
Grabenkrieg zwischen den großen Entwicklungsländern und den
imperialistischen Metropolen, wo die ersten zu den zweiten sagen: "Ihr seid
verantwortlich, ihr müsst handeln!" und die zweiten antworten: "Ihr werdet
bald mehr Treibhausgase emittieren als wir, also handelt ihr auch!" Aber das
Kräfteverhältnis ist für die beherrschten Länder außerhalb der
Schützengräben nicht wesentlich besser als in den Gräben... Zumindest für
die nächsten Jahrzehnte beinhaltet der vom früheren Chefökonomen der
Weltbank vorgelegte Plan, dass der Großteil der durch einen
Kohlenstoff-Weltpreis erzwungenen Reduktionsbemühungen im Süden durch
Investitionen des Nordens realisiert wird, über die Schaffung von
Emissionsrechten für den Norden. [20] Also soll die, bislang noch als
"ergänzend" zu den sogenannten "innenpolitischen" Maßnahmen bezeichnete,
"Flexibilität" von Kyoto total werden. Tatsächlich würde die
Emissionsminderungen, sobald sie ihrer Ortsgebundenheit verliert, für die
Unternehmen des Nordens von einem Kostenfaktor zu einem gigantischen
Exportmarkt für Anlagen und Dienstleistungen. [21] Ein Markt unter den
Bedingungen des ungleichen Tauschs, auf dem sich die Entwicklungsländer dazu
"gedrängt" sehen würden, sich zu CO2-Steuern oder zu Quoten zu verpflichten,
und der die imperialistische Beherrschung ihrer Ökonomien verschärfen würde.
Einige Entscheidungen der letzten UN-Klimakonferenz (Nairobi, November 2006)
versteht man besser im Lichte dieser Analyse. In Nairobi akzeptierten die
entwickelten Länder das Ziel einer Reduktion von "deutlich mehr als 50% bis
zum Jahre 2050, aber sie präzisierten, dass sie den Weg "nicht ganz alleine"
gehen würden. Diese drei kleinen Worte sind eine offensichtliche Anspielung
auf eine Erweiterung des "Clean Development Mechanism" (CDM, eine der
flexiblen Vereinbarungen von Kyoto). [22] Andererseits wurde beschlossen,
einen aus einer Investitionssteuer im Rahmen des CDM finanzierten
Anpassungsfonds bereitzustellen (siehe den Artikel über das Kyoto-Abkommen).
Kurz: Die Finanzierung der Schutzprojekte richtet sich nicht nach den
Bedürfnissen der am meisten betroffenen Bevölkerungen, sondern nach den
Erfolgen der multinationalen Konzerne im Wettlauf um den großen Markt der
"kohlenstoffarmen" Technologien.
Kann eine Politik, wie sie von Stern vorgeschlagen wird, das Klima retten?
Zunächst würde es erforderlich sein, ein Reduktionsziel festzulegen, das mit
den physikalischen Grenzen vereinbar ist. In dem Bericht, der der britischen
Regierung vorgelegt wurde, ist dies nicht der Fall, und es wird immer
zweifelhafter, ob ein solches Ziel künftig aufgenommen werden wird. Es wäre
auch nötig, dass eine starke "Gouvernance" [etwa: "Lenkungsstruktur" --
d.Üb.] auf Weltebene in der Lage ist, einen Weltpreis für Kohlenstoff
festzulegen, der auf der Ermittlung der Schäden durch die langfristige
Erwärmung und nicht durch die kurzfristigen Gesetze des Marktes bestimmt
ist. Auch das ist nicht offensichtlich. Wie auch immer sich der
post-Kyoto-Prozess entwickelt, so ist durchaus wahrscheinlich, dass die
neoliberale Klimapolitik der nächsten 20 bis 30 Jahre in einer Niederlage
enden wird. Was könnte dann geschehen? Die Antwort hat viel von politischer
Spekulation.
Angesichts der Fristen, die doch sehr drängend geworden sind, ist es nicht
ausgeschlossen, dass beispielsweise die herrschenden Mächte plötzlich den
Kurs ändern, ihre Staatsapparate mobilisieren und alle Ressourcen
zentralisieren bis hin zur Rationierung wie in Kriegszeiten. Dieser
Vergleich ist gar nicht mal hergesucht: Der Wendepunkt könnte tatsächlich
von imperialistischen Militärabenteuern begleitet sein,
inner-imperialistischen Konfrontationen oder anderen Arten mörderischer
Konflikte. Doch das ist spekulativ. Während Kriege für Energieressourcen
heute schon Realität sind, deutet nichts auf ein Fallenlassen des
Neoliberalismus zugunsten einer mehr staat-zentrierten Politik hin. Wie dem
auch sei, eine solche Mobilisierung würde offensichtlich nicht das Ziel
haben, das Klima für alle zu retten, sondern es soweit möglich zu retten,
ohne die sozialen Privilegien der Ausbeuter zu gefährden. Das würde zu nicht
absehbarem menschlichem Leid, zu einem Anwachsen der Ausbeutung, einer
Zunahme der Ausplünderung der beherrschten Länder und einem Angriff auf die
demokratischen Rechte führen.
GLOBALE RATIONALITÄT ODER RATIONALITÄT DES KAPITALS
Wegen des Fehlens einer glaubwürdigen Alternative zur neoliberalen Politik
fühlen sich bestimmte Szenen und Personen gedrängt, Vorschläge zu
entwickeln, um den Schutz des Klimas auf gerechte Weise zu beschleunigen,
doch ohne mit den Marktmechanismen zu brechen, die sie als unbestrittenen
Konsens betrachten. Auch wenn sie versuchen realistisch zu sein, setzen ihre
Vorschläge die Erfüllung einer Reihe von Bedingung voraus, die bei genauerer
Betrachtung höchst utopisch erscheinen. In den Augen des Systems haben sie
den Fehler, auf die Kraft der Überzeugung einer übergeordneten Rationalität
zu vertrauen. Doch das Kapital -- eigentlich viele miteinander
konkurrierende "Kapitale" -- ist durch den Widerspruch zwischen seinen
zahllosen Teil-Rationalitäten und seine wachsende Irrationalität als System
gekennzeichnet. Von einer globalen Rationalität lässt es sich nur zeitweise
überzeugen, und nur im allerletzten Extremfall, wenn sein eigenes Überleben
gefährdet ist (aber in dem Moment ist es im Allgemeinen schon zu spät für
das Überleben vieler Mitglieder der weniger begünstigten Klassen und
Schichten).
Dieses /quid pro quo/ [etwa: Geben und Nehmen -- d.Üb.] zwischen globaler
Vernunft und der Vernunft des Kapitals charakterisiert vor allem den als
"Contraction and Convergence" (C&C -- "Verringerung und Angleichung")
bekannt gewordenen Vorschlag. Er wurde vom indischen Ökologen Anil
Agarwal [23] formuliert, vom Global Commons Institute von Aubrey Meyer [24]
aufgegriffen und von bedeutenden Wissenschaftlern wie Sir John Houghton [25]
oder Jean-Pascal van Ypersele [26] verbreitet. Diesem Vorschlag kommt das
Verdienst zu, das Dilemma der Entwicklungsländer zu deren Vorteil zu lösen.
------------ KASTEN -----------------------------------------------
*Abbildung 3: Verteilung der Emissionsrechte auf die verschiedenen
Ländergruppen*
Das "Contraction and Convergence"-Modell sieht vor, die Gesamtemission
fossiler Brennstoffe (auf 1 Milliarde Tonnen Kohlenstoff) zu reduzieren und
nach Pro-Kopf-Quoten aufzuteilen. Damit soll der CO2-Gehalt bei450 ppmv im
Jahre 2100 stabilisiert werden. Quelle: Global Commons Institute und J.
Houghton.
-------------------------------------------------------------------
Wir wollen uns mit dem Problem etwas genauer beschäftigen: Würden die
Entwicklungsländer ihr Wachstum auf fossile Energieträger stützen, würden
sie, selbst wenn der kombinierte Charakter der Entwicklung nicht exakt dem
Weg entsprechen würde, den die imperialistischen Länder seit 1780 gegangen
sind, den Klimawandel verschärfen, dessen Hauptopfer ihre eigenen Völker
sein werden (und bereits sind!). Die Armen haben recht, dass sie nicht arm
bleiben wollen, um das Klima zu retten, das die Reichen ruiniert haben. C&C
will daher eine radikale Reduktion der globalen Emissionen ("Contraction")
mit einer Angleichung der Emissionen pro Einwohner ("Convergence") und einem
Aufholen der Entwicklung des Nordens durch den Süden dank sauberer
Technologien kombinieren (Abb. 3). Wir teilen diese egalitäre Perspektive,
aber wie soll sie in die Praxis umgesetzt werden?
Als Antwort wird vorgeschlagen, dass die handelbaren Emissionsrechte an die
Entwicklungsländer in dem Maße ausgegeben werden, in dem sie unterhalb der
[weltweiten] Pro-Kopf-Quote liegen. Die Länder des Nordens, die ihre
Emissionen nicht reduzieren, müssten diese Rechte dann kaufen. Der
entsprechende Verdienst würde es den Ländern des Südens erlauben, die für
eine kohlenstofffreie Entwicklung erforderlichen Technologien zu erwerben.
Doch dieses Szenario wirft mehrere praktische Fragen auf: An wen sollen die
Rechte verteilt werden? Wer sollte garantieren, dass ihr Verkauf tatsächlich
den Menschen zugute kommen würde (und nicht der Schuldentilgung oder der
Mästung der Reichen)? Das sind entscheidende Fragen. Aber auch der
Mechanismus selbst hat eine entscheidende Schwachstelle.
In seiner Darstellung des C&C-Szenarios schreibt der Klimatologe Jean-Pascal
van Ypersele, dem niemand seine solidarische Perspektive zur Rettung des
Klimas abspricht: "Wenn die ursprüngliche Aufteilung der [Emissions-] Rechte
nach dem Prinzip der Gleichheit erfolgt, könnten diese Rechte unter
bestimmten Bedingungen einen enormen Strom der Hilfe für die
Entwicklungsländer bilden. Und unter der Voraussetzung, dass die Gesamtmenge
der ausgestellten Erlaubnisse nur unter dem Gesichtspunkt bemessen wird, das
Klima der kommenden Jahrhunderte zu schützen, könnte ein solches System
erlauben, die erforderlichen Reduktionen zu geringsten Kosten zu
bewirken." [27] Das Problem steckt ganz offensichtlich in dem kleinen
Wörtchen "wenn" und dem Ausdruck "unter der Voraussetzung, dass". Der
Kapitalismus ist historisch aus der Aneignung von Naturressourcen
entstanden. Verfügungsrechte über Ressourcen jetzt einfach frei zu
verteilen, widerspricht völlig seiner Natur (deshalb ist auch in der Praxis
die Verteilung von Emissionsrechten weder gerecht noch ethisch, wie die
Erfahrung mit dem europäischen Rechtehandel zeigt -- siehe den Artikel über
das Abkommen von Kyoto). Das allein wäre kein Grund, die Forderung zu
verwerfen (ganz im Gegenteil). Aber die Frage, die gestellt werden muss,
lautet: Wer soll die Anerkennung der Vorbedingungen hinsichtlich
Gerechtigkeit und Menge an Emissionsberechtigungen durchsetzen? Die
politischen Vertreter der großen Entwicklungsländer? Würden sie sich um
Ethik und das Klima mehr sorgen als ihre imperialistischen Herren?
Angenommen sie hätten tatsächlich den Willen zu einer solchen Lösung, so
müssten sie sich auf eine sehr breite Volksbewegung stützen können.
Ist es realistisch zuglauben, dass die armen Massen des Südens sich für so
esoterische Forderungen wie die Verteilung handelbarer Rechte für die
Emission von Kohlendioxid in die Atomsphäre mobilisieren würden? Wenn sie so
etwas aufgreifen würden, dann sicher nur im Rahmen allgemeinerer
Forderungen, die viel einfacher und direkter wären: Schuldenstreichung,
Bodenreform, Nationalisierung der Energieressourcen (wie in Venezuela und
Bolivien), kommunale Rechte an Wasser und anderen Ressourcen und so weiter.
Tatsächlich brechen die meisten dieser Forderungen mit dem Markt -- also dem
Rahmen, an dem C&C fern jeder Realität unbedingt festhalten will. Damit sind
wir wieder am Ausgangspunkt angekommen.
Was diese Diskussion zeigt, ist, dass das Ziel und die subjektiven
Schwierigkeiten bei der Rettung des Klimas unauflöslich miteinander
verbunden sind: Wir können das eine nicht ohne das andere lösen. Um das
Klima mit einer Weltbevölkerung von 6 Milliarden Menschen in sozialer
Gerechtigkeit zu retten, müssen die durchschnittlichen Emissionen auf 0,4
bis 0,5 Tonnen Kohlenstoff pro Person und Jahr [entspricht 1,4 bis
1,8 Tonnen CO2 -- d.Üb.] gesenkt werden. Auf einen Menschen in Amerika oder
Australien kommen derzeit fast 6 Tonnen, in Belgien oder Dänemark 3 Tonnen,
in Mexiko 1 Tonne, in China etwas weniger -- und in Indien 0,4 Tonnen (siehe
Abb. 4). [28] Die einzig "nachhaltige" Logik, die ihren Namen wert wäre,
würde bedeuten, die halbe Tonne Kohlenstoff pro Person und Jahr zu einem
Ziel zu machen, das in jedem Land zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht
sein muss. Eine rationale Strategie auf Weltebene müsste vier Aspekte
miteinander verbinden:
1.) die Primärnachfrage nach fossilen Energiequellen in den entwickelten
Ländern drastisch zu reduzieren (je nach Land /auf/ ein Viertel, Sechstel
oder Achtel),
2.) beginnend in diesen Ländern fossile Energiequellen systematisch durch
erneuerbare Energiequellen zu ersetzen,
3.) einen Weltfonds für die Umsetzung einrichten, der ausschließlich
zugunsten der am meisten bedrohten Länder finanziert wird.
------------ KASTEN -----------------------------------------------
*Abbildung 4: CO2-Emissionen aufgrund der Verbrennung fossiler Energieträger
(in Tonnen Kohlenstoff) pro Person und Land (sonstige Treibhausgase nicht
berücksichtigt) und die Stabilisierungsgrenze bei einer Erdbevölkerung von
6 Milliarden Menschen (0,5 Tonnen Kohlenstoff pro Person and Jahr). Quelle:
A. Berger, 2005.*
-------------------------------------------------------------------
4.) ein massiver Transfer von sauberen Technologien in die Länder des
Südens, so dass deren Entwicklung nicht zu einer erneuten Destabilisierung
des Klimas führt.
Wenn wir wollen, dass diese vier Aspekte in der nötigen Breite und
erforderlichen Zeit in sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit umgesetzt
werden, dann kann die Lösung nicht einfach Ergebnis von Marktmechanismen wie
dem Handel mit Emissionsrechten oder der allmählichen Kostensenkung
erneuerbarer Energien im Wettbewerb sein. [29]
Diese vier Aspekte müssen öffentliche Aufgaben sein, die an öffentliche
Unternehmen vergeben und unabhängig von den Kosten realisiert werden. Gemäß
Spezifikationen, die aus den realen Bedürfnissen abgeleitet werden und die
die Naturressourcen als gemeinsamen Besitz der Menschheit betrachten. Eine
radikale Vermögensumverteilung (Schuldenstreichung für die Länder des
Südens, Vermögenssondersteuer auf Weltebene, Abschöpfung der Profite der
Ölkonzerne, Verbot von Waffenkäufen) und eine Ausweitung demokratischer
Rechte sind dann unerlässlich. Globale Rationalität erfordert eine
antikapitalistische Perspektive.
FÜR EINE WELTBEWEGUNG ZUR RETTUNG DES KLIMAS
Nun wird der Einwand kommen, dass eine solche Perspektive nicht realistisch
sei, schon gar nicht in der gegenwärtigen Konjunktur. Die Entwicklung einer
antikapitalistischen Strategie für das Klima wird durch die historische
Krise der Legitimität des sozialistischen Projekts behindert. Vorschläge wie
Planung für die Befriedigung von Bedürfnissen, Industriebetriebe in
öffentlicher Hand und die Nationalisierung des Energiesektors (oder
irgendeine andere Form der öffentlichen Kontrolle auf globaler Ebene) sind
diskreditiert. Diese Antworten werden weitgehend zusammengeworfen mit dem
Schlamassel einer ineffizienten, verschwenderischen, produktivistischen und
ultrazentralisierten Kommandowirtschaft [30] wie auch mit den materiellen
Privilegien der Bürokratie und ihrem politischen
Alleinentscheidungsanspruch. Revolutionäre Marxistinnen und Marxisten können
sicher erklären, dass man dies nicht gleichsetzen darf, aber ihre
Erklärungen werden nur dann Gehör finden, wenn sie ihren Bruch mit dem
Produktivismus deutlich machen und die Flagge des "Ökosozialismus" erheben,
wo Ressourcen -- und namentlich die Energieressourcen -- von einem flexiblen
Netzwerk lokaler Gemeinschaften selbstverwaltet werden in Verbindung mit
einer "Planung auf lokaler, nationaler, regionaler und weltweiter
Ebene". [31] Doch auch unter dieser Fahne werden diese Erklärungen nur
begrenztes Gehör finden.
Trügerische Marktlösungen auf der einen, diskreditierte antikapitalistische
Lösungen auf der anderen Seite -- wo ist der Ausweg? In der sozialen
Mobilisierung. Statt das Gewicht auf Lobbyarbeit zu legen (wie es viele
Umweltorganisationen tun, die sich im Regierungsapparat verfangen haben),
geht es darum, das Kräfteverhältnis aufzubauen.
Statt Mühe darauf zu verschwenden, Unternehmer und Regierungen überzeugen zu
wollen, sollten wir unsere Energie lieber in die Hebung des
Basisbewusstseins stecken. Statt vergebens nach fantastischen Rezepten zur
Klimarettung wie dem Handel mit Emissionsrechten und anderen komplizieren
Marktmechanismen zu suchen, bedeutet das nur die einfache Idee zu
verbreiten, dass das Klima in Gleichheit und Gerechtigkeit gerettet werden
sollte, unabhängig von den Kosten, und dass das Geld dort geholt werden
sollte, wo es ist. Anstatt jede und jeden auf die individuelle Verantwortung
zu verweisen, geht es darum, in Aktionen soziale emanzipatorische Bindungen
zu schaffen, die allein eine neue individuelle und kollektive
Verantwortlichkeit für die Menschheit und ihren Austausch mit der Natur
schaffen können.
Als größeres globales Problem (wie die Bedrohung durch einen vernichtenden
Atomkrieg) kann die Klimafrage Millionen Menschen auf die Straße bringen.
Wie wir schon auf diesen Seiten sehen können, ist die Liste der
aufgeworfenen sozialen Probleme lang: Zugang zu Ressourcen, Recht auf
Arbeit, Rechte von Frauen, Ablehnung des Rassismus, Kampf gegen die
Deregulierung öffentlicher Dienste, Verteidigung von Flüchtlingen,
Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft, Förderung des öffentliches
Verkehrs, Rechte der indigenen Völker, Stadtentwicklung, Ablehnung von
gentechnisch veränderten Organismen, Kampf gegen Flexibilisierung und "just
in time", Verteidigung der Biovielfalt, Erhaltung der sozialen
Sicherungssysteme und nicht zu vergessen der Krieg gegen den Krieg und die
Streichung der Schulden der Dritten Welt. Diese Vielfalt ist eine Stärke.
Ziel muss es sein, all diese Widerstandsbewegungen zu gemeinsamen Aktionen
zusammenzuschließen, konkretisiert in weltweiten Aktionstagen und
Demonstrationen. Die spezifische Mobilisierung der Jugend dafür, dass dieser
Planet bewohnbar und schön für alle bleibt, könnte als Katalysator für eine
Artikulation der sozialen Bewegungen auf Weltebene wirken. Die Initiativen
des Climate Action Network können ein Ausgangspunkt sein. Die Demonstration,
die in London am 4. November auf Initiative der Campaign against Climate
Change stattfand, ist ein Beispiel, dem die ganze Linke folgen sollte. [32]
Diese Strategie hat ihre Forderungen. In einem System, das auf dem
individuellen Kampf Jede und Jeder gegen Jede und Jeden basiert, wird der
legitime Wunsch der Ausgebeuteten, ihre unmittelbaren Lebensbedingungen und
die ihrer Kinder zu verbessern, wichtiger als die Gefahren von morgen und
übermorgen sein -- selbst wenn deren Eintreten wissenschaftlich bewiesen
ist. Aus diesem Grund müssen die Mobilisierungen für das Klima mit der
Befriedigung der Grundbedürfnisse der sozialen Mehrheit verknüpft werden.
Beschäftigung, Boden, Unterkunft, menschenwürdiges Einkommen, Wärme,
Trinkwasser, Arbeitsbedingungen, Existenzsicherheit, ... Die Breite der
Klimabedrohungen schafft viele Möglichkeiten, hier organische Verbindungen
zu schaffen, ausgehend von den elementaren Kämpfen. Unter einer Bedingung:
Man muss aufhören, Aktionen einer Strategie zur Begleitung des
kapitalistischen Wachstums zu unterstützen, wie es die traditionellen
Führungen der Parteien und Gewerkschaften der Arbeiterbewegung machen. Wir
sollten im Gegenteil unsere Augen für die Tatsache öffnen, dass dieses
Wachstum, das keine Arbeitsplätze schafft und Ausgrenzung verursacht, uns
direkt in die ökologische Katastrophe führt, deren Hauptopfer die
Arbeiterinnen und Arbeiter und die Armen sein werden. Daraus folgt, dass die
Linke im Allgemeinen und die revolutionären Marxisten im Besonderen
versuchen sollten, die Arbeiterbewegung für Klimafragen zu interessieren.
Das ist nicht leicht, aber es ist möglich, wie es insbesondere die Kampagne
der Quebecer Gewerkschafter für die Nationalisierung der Windenergie gezeigt
hat. Andere Wege sind begehbar: Arbeiterkontrolle als Mittel gegen die
kapitalistische Misswirtschaft auf der einen und die Forderung, dass
öffentliche Unternehmen Arbeitsplätze in den Bereichen Energieeffizienz und
erneuerbare Energien schaffen sollen, auf der anderen Seite. [33] Angesichts
der gigantischen Interessenkoalition, die die Menschheit in die Katastrophe
führt und bestimmte Schichten der Bevölkerung mit den illusionären Wonnen
einer nachgeahmten kleinbürgerlichen Glückseligkeit korrumpiert, kann die
Mobilisierung für das Klima dazu beitragen, wieder eine Brücke zum
Antikapitalismus zu schlagen. Stattdessen geht es darum, den Wunsch nach
einer konkreten Utopie wiederzubeleben und zu zeigen, wie ein besseres Leben
für alle sehr schnell erreicht werden kann, wenn man die kapitalistische
Energiesackgasse verlässt.
Klima oder Entwicklung? Klima oder gutes Leben? Es ist nicht das erste Mal,
dass der Kapitalismus vor die Wahl zwischen Pest und Cholera stellt. Aber
der Wahnsinn der Akkumulation hebt dieses Dilemma auf ein beispielloses
globales Niveau. Es drohen barbarische Lösungen von schrecklicher Tragweite,
die Dutzende wenn nicht Hunderte Millionen Menschen berühren. "Il diavolo fa
le pentole ma no i coperchi" -- "Der Teufel macht die Pfannen, aber nicht
die Deckel" sagt ein italienisches Sprichwort. Es wird Zeit, das Höllenfeuer
der Akkumulation auszulöschen: Der Kapitalismus hat keinen Deckel und die
Menschheit droht zu verbrennen.
-----
Daniel Tanuro ist Agraringenieur, Umweltschützer und Ökosozialist. Er ist
Ökologie-Redakteur von /La Gauche/, der Monatszeitung der belgischen Sektion
der Vierten Internationale. Für unsere französische Schwesterzeitung
/Inprecor/ hat er ein Sonderheft "Ökologie" zusammengestellt, aus dem wir
hier Auszüge wiedergeben.
Ein besonderer Dank des Autors geht an Marijke Colle, Jane Kelly, Manolo
Gari, Michel Husson und Michaël Löwy, die wertvolle Kommentare zur ersten
Version dieses Artikels gegeben haben. Die Endfassung wird jedoch vom Autor
alleine verantwortet.
Übersetzung: Björn Mertens
-------------------------------------------------------------------
Aus: Inprekorr Nr. 428/429 (Internationale Pressekorrespondenz)
Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
E-Mail: inprekorr at comlink.org
Bestellungen: Verlag Neuer Kurs, Dasselstr. 75-77, D-50674 Köln
Doppelheft: 4 EUR; Schnupperabo: Ein Vierteljahr für 5 EUR
Jahresabo: 20 EUR (Inland), 12 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
-------------------------------------------------------------------
-----
[1] Einige Studien in letzter Zeit sagen, dass der maximale Anstieg sogar
niedriger als 2°C bleiben sollte. James Hansen, Chef-Klimatologe der NASA,
meint, dass der Temperaturanstieg nicht höher als 1°C gegenüber heute sein
dürfe, was einen Anstieg von 1,6°C gegenüber 1780 bedeutet.
[2] Das IPCC will seinen vierten Untersuchungsbericht Anfang 2007
veröffentlichen (http://www.ipcc.ch/).
[3] Außer Wasserdampf, dessen Menge in der Atmospäre kaum von menschlicher
Aktivität beeinflusst ist, sind die wichtigsten Treibhausgase Kohendioxid
(CO2), Methan (CH4), Stickdioxid (Lachgas, N2O) und verschiedene fluorierte
Gase. "Parts per million, in volume (ppmv)" ist ein Maß der Konzentration
(Volumenteile auf 1 Million) ,450 ppmv CO2 bedeutet, dass von 1 Million
Atmosphärenteilen 450 CO2-Moleküle sind. Zur Vereinfachung werden
Treibhausgasemissionen in CO2-Äquivalenten angegeben (ppmvCO2eq), was
bedeutet, dass die Menge jeden Gases in die Menge CO2 umgerechnet wird, die
den selben Effekt auf das Einfangen von Infrarotstrahlung hätte.
[4] 2000--2001: +1,5 ppmvCO2; 2001--2002: +2 ppmvCO2; 2002--2003: +
2,5 ppmvCO2; 2003--2004: +3 ppmvCO2.
[5] Da die Erwärmung der großen Wassermasse der Ozeane sehr langsam
erfolgt, wird die derzeitige Erwärmung auf jeden Fall Auswirkungen in den
nächsten tausend Jahren haben.
[6] Stern-Review "The Economics of Climate Change"
(http://www.hm-treasury.gov.uk/independent_reviews/stern_review_economics_cl
imate_change/sternreview_index.cfm).
[7] Schwefeloxide waren verantwortlich für den sauren Regen.
[8] "Rente" im wirtschaftswissenschaftlichen Sinne als "Zahlung ohne
Gegenleistung", z.B. Monopolrente -- d.Üb.
[9] "Comprendre le capitalisme actuel". Text für das Seminar " Marx au
XXIème siècle -- http://hussonet.free.fr/mhsorbon.pdf.
[10] Hans Jonas: /Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die
technologische Zivilisation./ Frankfurt/M., 1979. Neuauflage als Suhrkamp
Taschenbuch, 1984 [u.ö.], ISBN 3-518-39992-6
[11] Es ist nicht unwichtig, darauf hinzuweisen, dass dieser Ansatz zu
äußerst reaktionären Schlussfolgerungen führt: einem Lobgesang auf die
"Mystifikation der Massen" und damit die Berechtigung der Eliten, "mit einem
Maximum an Disziplin" die zur Klimarettung erforderlichen "unpopulären
Maßnahmen" "politisch durchzusetzen". Und Jonas betont, dass diese Maßnahmen
sich aus dem "Gesetz der Ökologie ergeben, das Malthus als erster erkannt
hat".
[12] Karl Marx, /Theorien über den Mehrwert/, MEW 26.1.
[13] Die These von einem unmittelbar bevorstehenden Gipfelpunkt der
Produktion vor der Erschöpfung der Öl- und Gasvorräte wird vor allem von
ASPO (http://www.peakoil.net/) vertreten. In Wirklichkeit ist es falsch,
diese Frage in die Klimadebatte einzuführen; denn 1.) ist der Gipfelpunkt
ein ökonomischer, kein physikalischer Begriff, 2.) reicht das ausbeutbare Öl
völlig aus, das Klima aus dem Ruder laufen zu lassen,. 3.) reichen die
bekannten Kohlevorräte noch für mindestens 300 Jahre und 4.) stecken noch
erhebliche Vorräte in den Ölschiefern, deren Ausbeutung sehr
umweltgefährdend ist.
[14] ITER ist das Akronym für "International Thermonuclear Experimental
Reactor" in Cadarache (Frankreich). Dieses gemeinsame Forschungsprojekt soll
zu einem Prototypen für die Stromerzeugung aus kontrollierter Kernfusion
führen -- "Wie die Sonne" wurde das in den Medien genannt. Der Vergleich ist
jedoch nicht ganz exakt, denn die Fusion au der Sonne arbeitet sehr langsam
und recycelt ihren Abfall. Siehe insbesondere: Sylvie Vauclair, "La
naissance des éléments. Du big bang à la terre", Odile Jacob 2006.
[15] Jean-Claude Debeir, Jean-Paul Deleage and Daniel Hemery, "/Les
servitudes de la puissance. Une histoire de l'énergie/". Flammarion, Paris,
1986.
[16] Jean-Marie Chevalier, "Les grandes batailles de l'énergie", Gallimard
2004.
[17] Das UN-Rahmenabkommen zum Klimawandel wurde auf dem Erdgipfel in Rio
1992 beschlossen.
[18] Der G8-Beschluss "Climate Clean Energy and Sustainable Development"
ist online verfügbar unter
http://www.fco.gov.uk/Files/kfile/PostG8_Gleneagles_CCChapeau.pdf.
[19] /Stern Review/, op. cit.
[20] Das Tempo würde von den Kosten bestimmt: Der Markt würde sich erst auf
die Maßnahmen orientieren, die die geringsten Investitionen erfordern, wie
Verbesserung der Energieeffizienz in den Entwicklungsländern, Ende der
Abholzungen, Entwicklung von Bio-Treibstoffen und dann Wind- und
Solarenergie.
[21] Der Weltmarkt der Ökoindustrie wird auf 550 Mrd. Euro geschätzt. Die
Experten erwaten in den nächsten fünf Jahren, vor allem in den
Enzwicklungsländern, Wachstumsraten von 5 bis 8%. Quelle: Analysis of the EU
ecoindustries, their employment and export potential.
http//www.europa.eu.int/comm/environment/enveco/industry_employment/
ecotec_exec_sum.pdf
[22] Die flexiblen Mechanismen von Kyoto sind in unserem Artikel "Petit pas
compromis, effets pervers garantis" beschrieben
(http://www.europe-solidaire.org/spip.php?article648).
[23] Anil Agarwal & Sunita Nairin, "The Atmospheric Rights of All People on
Earth", http://www.cseindia.org/.
[24] Siehe: http://www.gci.org.uk/; C&C-Erklärung auf deutsch unter
http://www.gci.org.uk/translations/CandC_Statement(German).pdf
[25] John Houghton, "Overview of the Climate Change Issue",
http://www.jri.org.uk/resource/climatechangeoverview.htm#carbon.
[26] Jean-Pascal van Ypersele, "L'injustice fondamentale des changements
climatiques", in /Alternatives Sud/, Bd. 13,-2006
[27] J. P van Ypersele, op. cit.
[28] Für eine umfassende Übersicht --jetzt wieder für Tonnen CO2 --siehe
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_carbon_dioxide_emissions_p
er_capita - d.Üb.
[29] Der Stern-Report relativiert die Idee, die erneuerbaren Energien
könnten sich spontan durchsetzen, wenn ihre Kosten äquivalent zu denen des
Öls werden. Dem Bericht zufolge könnten in dem Fall die Ölpreise fallen, um
wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Existenz einer ernormen Rente, zusätzlich
zu den Profiten, macht dieses Szenario möglich.
[30] Ein besonders schlimmer Schlamassel gerade beim Klimawandel, hatten
diese Ökonomien doch einen extrem hohen Verbrauch an Energie und
Kohlenstoff.
[31] Michaël Löwy, "Qu'est-ce que
?l'écosocialisme?"(http://www.iire.org/lowyeco.html). [Auf deutsch siehe
auch: "Überleben statt Profit" in /SoZ/, Januar 2003, Seite 19,
http://vsp-vernetzt.de/soz/030119.htm -- d.Üb.]
[32] Die Campaign against Climate Change (http://www.campaigncc.org/) ist
eine britische Klimaschutzorganisation, die sich 2001 aus Anlass der
Ablehnung des Kyoto-Protokolls durch Präsident Bush gegründet hat. Ihre
Demonstration in London am 4.11.2006 mit 25 000 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern war die bislang größte Klimaschutzdemonstration des Landes.
Das Climate Action Network (http://www.climatenetwork.org/) ist ein
weltweiter Zusammenschluss von 365 Klimaschutzorganisationen. Mitglied in
Deutschland sind beispielsweise BUND, Nabu, WWF, und Öko-Institut.
[33] Eine solche Forderung wurde Anfang der 80-er Jahre von
entlassungsbedrohten Arbeitrinnen und Arbeitern des Glaverbel-Konzerns in
der belgischen Region Charleroi aufgestellt. Eine öffentliche Gesellschaft
für die Wärmedämmung und Renovierung von Gebäuden war sogar gegründet
worden, aber die Regierung hat das Projekt dann versenkt.