[IPK] Ökologie: Kohlenstofffreie Wirtschaft und Energieeinsparung

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Mi Sep 5 23:44:40 CEST 2007


Ökologie:

Kohlenstofffreie Wirtschaft und Energieeinsparung
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Eine kohlenstofffreie Wirtschaft setzt voraus, sich von fossilen
Brennstoffen zu trennen (insbesondere vom Erdöl), nicht nur als
Energiequellen, sondern auch als Rohstoff in der petrochemischen Industrie.
Ersatzrohstoffe gibt es, denn Kunststoffe können auch aus organischen
Materialien hergestellt werden. Aber die Biomasse kann nicht alle Aufgaben
auf einmal erfüllen: die Menschen ernähren, den in der Atomsphäre
überschüssigen Kohlenstoff binden, als Energiequelle dienen und die
Grundstoffe zur Herstellung biologischer Polymere liefern. Das Problem der
verfügbaren Flächen und der ökologischen wie auch der sozialen Folgen ist
offensichtlich. Der Europäischen Umweltagentur zufolge könnte die Biomasse
nicht mehr als 15% bis 16% des Energiebedarfs der EU im Jahre 2030 decken,
ohne sich schädlich auf die Umwelt auszuwirken (unter der Bedingung, dass
genaue Normen eingehalten werden, ohne die selbst eine geringe Produktion
bereits ökologisch negativ wäre).[EEA-Report] 

Das Problem könnte in mehreren Ländern der Dritten Welt ernster werden, die
davon träumen, in die Äthanolproduktion für den Export einzusteigen. Eine
Studie der Internationalen Energieagentur schätzt auch, dass die
Äthanolproduktion zunächst aus Zuckerrohr nur 10% des Weltverbrauchs an
Benzin und 3% an Diesel im Jahre 2020 decken könnte. [IEA EET Working Paper]
Und hier sind keine Umweltgesichtspunkte erwähnt. 

Wenn jede Bereitschaft fehlt, den Primärenergieverbrauch, vor allem im
Verkehrsbereich, ernsthaft zu verringern, drohen diese Projekte zu einem
neuen Schritt der Ausweitung von industriellen Monokulturen zum Export zu
werden, mit allen daraus folgenden ökologischen und sozialen Konsequenzen.
Selbst wenn ein bedeutender Teil der Solarenergie direkt genutzt werden kann
(durch solarthermische Kollektoren oder photovoltaische Sonnenzellen, ohne
durch "Energiekonverter" zu laufen), zeigt dieses Beispiel trotzdem, dass es
nicht reichen wird, einfach fossile durch erneuerbare Energiequellen zu
ersetzen, und ansonsten weiterzumachen wie bisher. Der Übergang zu den
erneuerbaren Energien muss mit einer Senkung der Primärnachfrage in den
entwickelten Ländern einhergehen, dem Kampf gegen Verschwendung und einer
Steigerung der Energieeffizienz. Der Wahnsinn des kapitalistischen Wachstums
und die Energiegier müssen in Frage gestellt werden.


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Quellen: EEA-Report Nr.°7/2006; IEA EET Working Paper, "Reducing Oil
Consumption in Transport", L. Fulton, April 2004.

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Aus:   Inprekorr Nr. 428/429   (Internationale Pressekorrespondenz)
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