[IPK] Ökologie: Kapitalistische Dummheit

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Do Sep 6 01:10:41 CEST 2007


Ökologie:

Kapitalistische Dummheit
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Erdöl- und Energiekonzerne, Bauunternehmen, Getränkehersteller,
Eisproduzenten, Reiseunternehmer -- alle versichern sich gegen
Unwägbarkeiten des Klimas wie zu milde oder zu raue Winter, zu regnerische
oder heiße Sommer.

Wetterderivate sind Finanzinstrumente dieser Versicherungen, Produkte für
die Börsenspekulation. Verglichen mit anderen Derivaten findet der Handel
noch auf einem bescheidenen Niveau statt. Doch die Investoren setzen auf
starkes Wachstum. Die Börse von Chicago plant eine Investition von 1,8
Millionen Dollar in drei Jahren, um diesen Markt auszubauen. Coriolis
Capital, ein Vermögensverwalter, hat Wetterderivate um 350 Millionen Dollar
gekauft. "Das Klima ist unser neuer Wilder Westen", kommentiert Terry Duffy,
Vorsitzender der Chicago Mercantile Exchange.

Schlaue Kapitaleigner versuchen, Wetterderivate verschiedener Länder und
Kontinente anzulegen. Extreme Wetterbedingungen sind oft sehr
unterschiedlich verteilt. Während des Hitzesommers 2003 erlebte der Osten
der USA beispielsweise einen eher feuchten, kühlen Sommer. Mit
diversifizierten Wetterderivaten, Glück und den Tipps von Meteorologen
können kluge Finanziers gute Profite erzielen.

Die in Aussicht stehenden Gewinne sind umso interessanter, als mit der
globalen Erwärmung Klimaausschläge zunehmen werden. Die Häufung von Extremen
wird die Unternehmen nur noch mehr bewegen, sich gegen das eine oder andere
Risiko zu versichern. Mehr Wetterversicherungen bedeuten mehr
Wetterderivate, also höhere Profite für die Finanzmärkte.

Der Titel des Artikels, dem diese Information entnommen ist, sollte Eingang
in eine Anthologie der kapitalistischen Dummheit finden: "Der Natur freien
Lauf lassen und Geld damit verdienen". Soweit ein sehr konkretes Beispiel
für die Art und Weise, wie durch den Wettbewerb Ansichten entstehen, die mit
gesundem Menschenverstand und selbst dem Überlebensinstinkt nicht mehr viel
am Hut haben, oder, um es mit Karl Marx zu sagen: "So falsch ist alles und
so, auf den Kopf gestellt, bietet sich alles dar vom Standpunkt der
Konkurrenz." [1]


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Quelle: New York Times vom 15. August 2003. 

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Aus:   Inprekorr Nr. 428/429   (Internationale Pressekorrespondenz)
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[1] Marx: /Das Kapital/, S. 3852. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels,
S. 7161 (vgl. MEW Bd. 25, S. 703)