[IPK] Einladung zum internationalen Treffen "Mai 1968 -- Mai 2008" in Paris am 30./31. Mai und 1. Juni 2008

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Mo Mai 5 01:25:00 CEST 2008


Mai 1968:
Einladung zum internationalen Treffen "Mai 1968 -- Mai 2008" in Paris am
30./31. Mai und 1. Juni 2008
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Politisches Büro der LCR


Liebe Genossinnen und Genossen, Mai 1968 -- Mai 2008: Vor 40 Jahren
veränderte sich die Situation in Europa schlagartig. Mai 1968 in Frankreich,
der schleichende Mai in Italien, der Prager Frühling, die Studenten und
Arbeiterrevolten in fast allen Ländern Europas. Die revolutionären Ideen
betraten mit Macht wieder die gesellschaftliche und politische Szene in
Europa. Heute geht es nicht in erster Linie um ein Gedenken, sondern um die
politische Notwendigkeit, an einer radikalen Bewegung des Klassenkampfes,
für Demokratie und für den Sozialismus wieder anzuknüpfen.

Die Welt hat sich seitdem verändert. Die Gegenoffensive der herrschenden
Klassen, die Ende der 1970er Jahre einsetzte, hat zur kapitalistischen
Globalisierung geführt, in der die neoliberalen kapitalistischen
Konterreformen die Szene beherrschen. Die Sozialdemokratie hat sich an den
neoliberalen Kapitalismus angepasst und sich in eine sozialliberale bzw.
neoliberale Kraft transformiert. China ist zu einem der Schlüsselländer der
kapitalistischen Globalisierung geworden. Aber trotz der imperialistischen
Dampfwalze existiert der gesellschaftliche und politische Widerstand weiter:
hier und da Streiks der ArbeiterInnen, ein Auflehnen der Jugend, das sich in
der Antiglobalisierungsbewegung ausdrückt, Antikriegsbewegungen gegen die
Intervention der USA im Irak und in anderen Teilen der Welt -- kurz die
Ablehnung dieser neuen Weltordnung durch Millionen und Abermillionen von
Menschen.

In den Parteien, die sich auf den Sozialismus beziehen, gibt es viele
Menschen, die meinen, dass der Realismus es gebietet, sich mit den Kräften
des Kapitals zu arrangieren und einen Kompromiss mit dem System zu finden
und schließlich -- mit dem Verweis auf das angeblich kleinere Übel --
Regierungen zu unterstützen, die sich zwar links nennen, aber in
Wirklichkeit die bürgerliche Ordnung aufrecht erhalten und eine neoliberale
Politik umsetzen.

Sicherlich sind die Bedingungen des Klassenkampfes für die
ArbeiterInnenklasse ungünstiger, aber inzwischen haben neue Generationen von
AktivistInnen neue Erfahrungen gesammelt. In jedem Land gibt es
AktivistInnen, Strömungen, Organisationen, die eigenständige Wege suchen, um
eine politische Alternative zum Kapitalismus aufzubauen oder wieder
aufzubauen, eine Alternative auch zur traditionellen Linken, die den
Neoliberalismus akzeptiert hat.

Wir sind viele in Europa, die wir diese Herausforderung aufgreifen. Im
Gegensatz zu all dem Abschwören und Anpassen bekräftigen wir, dass die
Antwort, die den sozialen Kämpfen gerecht wird, darin besteht, eine
Gesellschaft aufzubauen, die frei ist von Ausbeutung und jeglicher Form der
Unterdrückung, in der an die Stelle des Profits die Befriedigung der
sozialen Bedürfnisse tritt. Das war die Hoffnung in den revolutionären
Kämpfen der 60er Jahre und mehr denn je steht dies heute in der Zeit der
Dampfwalze des neoliberalen Kapitalismus auf der Tagesordnung.

Der Jahrestag von 1968 ist eine gute Gelegenheit, sich zu treffen, um die in
Europa stattfindenden Kämpfe zu unterstützen und die antikapitalistische
Linke in all ihren Komponenten zu versammeln.

Wir müssen feststellen, dass diese antikapitalistische Linke -- trotz
einiger Erfolge -- gespalten und zersplittert ist. Politischer Austausch und
erst recht gemeinsame Aktionen sind äußerst begrenzt. Sicherlich, es gab
internationale Treffen anlässlich der Weltsozialforen in Mumbai und Porto
Alegre. In Europa hat die antikapitalistische Linke (Konferenz der
Europäischen Antikapitalistischen Linken, EAL) mehrere Versammlungen mit
einer Reihe von Strömungen und Organisationen durchgeführt. Aber wir denken,
dass in der heutigen Situation in Europa neue Gelegenheiten existieren, um
sich zu treffen, sich auszutauschen und zu debattieren, vorausgesetzt, dass
diejenigen es wünschen, und dazu wollen wir den Jahrestag des "Mai 68"
nutzen. Wir brauchen unbedingt eine freie und offene Diskussion all der
Kräfte, die heute die Welt radikal verändern wollen.

Diese Diskussion könnte den Austausch über die Möglichkeiten gemeinsamer
Aktionen in sozialen und Umweltfragen verbinden mit denen des Kampfes gegen
den Krieg und den Möglichkeiten gemeinsamer Initiativen bei den nächsten
europäischen Wahlen sowie mit einer Diskussion zu grundsätzlichen Fragen:

* Welches Programm gegen die kapitalistischen Umstrukturierungen?

* Welche neuen Methoden, Formen und Inhalte, um eine Arbeiterbewegung und
soziale Bewegungen neu aufzubauen?

* Wie können wir eine Politik der Aktionseinheit der linken Kräfte verbinden
mit der Absage, sich an Mitte-Links-Regierungen oder sozial-liberalen/
neoliberalen Regierungen zu beteiligen?

* Welcher Prozess der revolutionären Transformation?

* Welcher Sozialismus des 21. Jahrhunderts?

* Welche neuen Parteien brauchen die ArbeiterInnen und die Jugend im Kampf
gegen den Kapitalismus?


Das sind einige der Fragen, die im Zentrum einer politischen Alternative
stehen und die wir mit allen fortschrittlichen, antikapitalistischen und
revolutionären Kräften diskutieren möchten. Sicherlich können diese Fragen
nicht alle an einem Wochenende diskutiert und noch weniger gelöst werden,
aber wir möchten einen Prozess der gemeinsamen Aktion und der Diskussion
wiederbeleben.

Wir richten deswegen diese Einladung für ein internationales europäisches
Treffen am 30./31. Mai -- 1. Juni 2008 in Paris an all die politischen
Kräfte, die eine neue antikapitalistische Alternative aufbauen wollen.


Politisches Büro der LCR, Paris, den 21. Januar 2008


Ligue communiste révolutionnaire, 2, rue Richard Lenoir -- 93100 Montreuil
sous Bois, Tel.: + 33/01 48 70 42 30, Fax: + 33/01 48 59 39 59,
<lcr at lcr-rouge.org>, http://www.lcr-rouge.org
Übersetzung: D. B.

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